
Die Wahl eines Schulnamens ist weit mehr als ein administrativer Akt: Sie ist ein öffentliches Bekenntnis zu Werten, eine Aussage zur historischen Verantwortung und ein identitätsstiftendes Zeichen für die gesamte Schulgemeinschaft. In der Gründungsphase mag der provisorische Name „Neues Gymnasium“ praktikabel und treffend erscheinen. Langfristig jedoch fordert die Identität einer Schule einen Namen, der Orientierung stiftet, pädagogische Leitlinien verkörpert und die Gemeinschaft verbindet.
Das Neue Gymnasium ist ein Ort der Vielfalt: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Nationen, religiöser Orientierungen und biografischer Hintergründe arbeiten und lernen hier zusammen. Diese Heterogenität ist eine Stärke, kann aber auch Spannungen erzeugen, wenn Unterschiede als Trennendes statt als Bildungsressource verstanden werden. Gerade deshalb bietet die bewusste Namenswahl eine einmalige Chance, ein gemeinsames Ziel sichtbar zu machen und gemeinschaftliche Werte zu formulieren. Ein geeigneter Namenspatron sollte die Pluralität unserer Schule nicht auflösen, sondern sie zusammenhalten — durch gemeinsame Orientierung, klare Werte und Vorbildfunktion.
Die Benennung des Neuen Gymnasiums Frankfurt nach Margot Friedländer ist ein bewusstes, dauerhaftes und öffentliches Zeichen:
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Erinnerung und Verantwortung
Margot Friedländer steht exemplarisch für die Verantwortung, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten. Ihre Lebensgeschichte macht Geschichte persönlich und nachvollziehbar — ein zentrales Element historischer Bildung. -
Vermittlung von Werten
Ihr Leben und ihr öffentlich artikuliertes Anliegen „Seid Menschen“ verkörpern Werte, die für schulisches Lernen unverzichtbar sind: Menschlichkeit, Toleranz, Respekt, Verantwortung und Zivilcourage. Ein nach ihr benanntes Gymnasium sendet die klare Botschaft, dass Bildung auch Werteerziehung ist. -
Pädagogische Strahlkraft
Die Verbindung von fachlicher Bildung (mit Schwerpunkten in Ökonomie und Naturwissenschaften) und einer ausgeprägten Werteorientierung schafft ein ganzheitliches Bildungsprofil. Margot Friedländers Wirken richtet sich besonders an junge Menschen und bietet konkrete Anknüpfungspunkte für Unterricht, Projekte und schulische Erinnerungskultur. -
Gegen Antisemitismus und Extremismus
Angesichts wieder sichtbar werdender antisemitischer und extremistisch geprägter Tendenzen sind sichtbare, institutionelle Zeichen wichtig. Die Benennung würde ein deutliches Statement gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit setzen und zugleich die Schule als Ort demokratischer Bildung profilieren.
Die Namenswahl hat nicht nur inner-schulische Bedeutung, sondern strahlt weit über den Ortsteil hinaus. Die Unterstützung durch politische Akteure, namentlich die Würdigung von Ministerpräsident Boris Rhein und von Bildungsminister Armin Schwarz, und auch des Ortsbeirates 7 sowie dies Oberbürgermeisters Mike Josef unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz dieses Schrittes. Die Verleihung posthumer Auszeichnungen an Margot Friedländer und öffentliche Stellungnahmen zur Stärkung der Erinnerungskultur belegen die weitreichende Symbolkraft; die Schule ist damit Teil eines regionalen und bundesweiten Signals für demokratische Bildung.
Die Benennung nach Margot Friedländer eröffnet der Schulgemeinschaft konkrete Möglichkeiten zur Verankerung von Erinnerung und Demokratiebildung im Schulalltag:
- Integration der Erinnerungskultur in den Unterrichtsalltag und in Projekttage
- Fortführung und Ausweitung der Projektwoche „Seid Menschen“ als festes Element des Jahresprogramms
- Förderung von Schülerprojekten zu Toleranz, Menschenrechten und demokratischem Engagement
- Kooperationen mit lokalen Gedenk- und Bildungseinrichtungen, Zeitzeugengesprächen und Exkursionen
Bereits durchgeführte Aktivitäten, etwa die aktuelle Projektwoche, in der Schülerinnen und Schüler unter Anleitung der Lehrkräfte den Lebensweg und die Botschaften Margot Friedländers kennengelernt haben, zeigen, wie fruchtbar eine solche Verankerung ist.
Die Benennung des Neuen Gymnasiums nach Margot Friedländer ist also mehr als ein ehrendes Gedenken: Sie ist ein programmatisches Bekenntnis zu historischer Verantwortung, zu Menschlichkeit und zu demokratischer Bildung. In einer Schule mit unseren fachlichen Schwerpunkten und unserer gesellschaftlichen Vielfalt stiftet dieser Name Identität, gibt Orientierung und konkretisiert pädagogische Leitlinien.
Vor dem Hintergrund der positiven Resonanz in der Schulgemeinde, der politischen Unterstützung und der pädagogischen Anschlussfähigkeit ist die Wahl des Namens „Margot-Friedländer-Gymnasium“ die Entscheidung, die Erinnerung mit Zukunftsorientierung verbindet und unserer Schule von jetzt an ein starkes, wertebasiertes Profil bietet.
